Wednesday, November 17, 2004

Viel Geld zu holen

Im Antifaschistischen Infoblatt #62 [AIB] wurde folgendes über die Finanzen der Firma Mediatex verlautbart:


"Dass die rechte (Jugend)-Szene nach wie vor einen lukrativen Absatzmarkt darstellt, belegt die Firma Mediatex GmbH aus Zeesen in Brandenburg. Diese produziert und vertreibt die Marke Thor Steinar. Eine seit Oktober 2002 auf Axel Kopelke registrierte Marke die Kleidungsstücke mit nordisch-germanische Runensymbolik in guter Qualität anbietet. Diese Marke findet innerhalb der bundesdeutschen Neonazi-Szene breiten Absatz. Dies belegen Materialien, die uns anonym zugespielt wurden. Im Weihnachtsgeschäft Mitte Dezember 2003 konnte die GmbH einen Kontostand von etwa 45.000 Euro verzeichnen. Der akkumulierte Umsatz (Haben) betrug für 12 Tage über 95.000 Euro. Insgesamt kamen fast 45.000 Euro durch den reinen Verkauf an Kunden und Zwischenhändler rein. Das die hohen Preise für die Thor Steinar Produkte zumindestens nicht auf die reinen Materialkosten zurückzuführen, zeigen beispielhaft die durchschnittlichen Ausgaben für Material-Importe aus der Türkei."

Tuesday, November 16, 2004

Stop Thor Steinar

Eine antifaschistische Erfolgsgeschichte
"Patriotisch" soll es sein und "schick". Wenn junge Neonazis sich einkleiden, zählen mittlerweile weniger das aggressive und plakative Erscheinungsbild, als mehr dezent verpackte politische Codes. Jetzt wurden Trägerinnen und Vekäufer der Nazimarke "Division Thor Steinar" wegen "Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen" zu empfindlichen Strafen verurteilt. Wie und warum es dazu kam...

Schon seit einiger Zeit kann man eine Veränderung im Erscheinungsbild deutscher Neonazis ausmachen (siehe unten). Die Abkehr vom Bild des Nazischlägers wird und wurde vollzogen, doch vielen ist es nicht mehr genug unpolitischen Labels (Lonsdale) ein rechtsradikales Image überzuhelfen. Eine offensichtliche Marktlücke und eine ideologische noch dazu. Sie wurde durch die Firma Mediatex Gmbh aus Königs Wusterhausen geschlossen.
corpus delicti

Mit der Marke "Division Thor Steinar" eroberten sie sich ein grosses rechtsextremes Kundenumfeld. Die politischen Codes die mit einem Outfit dieser Art transportiert werden sind vielschichtig und zielen doch jedesmal in die gleiche Richtung, die Einbindung nationalsozialistischer Inhalte in den "normalen Alltag".

Killing in the name of
Schon allein der Name "Divison Thor Steinar" deutet auf den politischen Hintergrund hin.
Felix Steiner war SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS. Das mag einem uneingeweihten nicht besonders geläufig sein und als ungeeignet für politische Codes, unter Neonazis kann dieser Fakt allerdings als allgemein bekannt gelten.[1] Steiner war ebenfalls Chef der SS-Division Wiking. Schon allein die Verbindung des Begriffs Diviosn mit dem eines SS-Generals sollte die Alarmglocke ringen lassen. Das Wort Thor ist der Name eines germanischen Gottes. Da Neonazis oftmals eine geschichtliche und religiöse Linie zwischen sich und diesen nordischen Mythen zu konstruieren versuchen, gilt ihnen Thor als Symbol der Stärke.[2] An dieser Stelle bilden Religion und völkische Verblendung eine Verbindung der unschönsten Sorte, denn die Herkunft der Arier wird zumeist mit einer Traditionslinie von Germanen und Wikinigern hin zu den Deutschen erklärt, völlig ungeachtet geschichtlicher Tatsachen (fangen wir bei der Völkerwanderung an und hören bei "wo die Liebe hinfällt" auf).

Runen ruinieren
Das Symbol was auf den Klamotten dieser Marke prangt, ist ebenfalls dem germanischen Kult entlehnt, es handelt sich dabei um Runen. Diese Runen werden schon seit annähernd 100 Jahren von Antisemiten mit den entsprechenden politischen Inhalten aufgeladen ().

Am bekanntesten dürften dabei die Runen der Waffen-SS sein. Das Logo von "Thor Steinar" ist eine zusammengesetzte Rune, sie ist aus der Tyar-Rune und der Gibor-Rune zusammengesetzt. Erstere hat ihren Namen von einem Kriegsgott der als Symbol für "Aktion" und "Kampf" steht.
Während des Nationalsozialismus` wurde sie von Absolventen der SA-Reichsführerschulen an den Uniformsärmeln getragen. Wolfsangel



Die zweite Rune trägt zusätzlich den Namen Wolfsangel, sie wurde von der Waffen-SS verwendet und eines der bekanntesten Nazi-Symbole.

Da brain
Die Hersteller der Marke "Division Thor Steinar" freilich behaupten, das Ganze wäre ein grosses Missverständnis, die Runen z.B. würden lediglich für den Markennamen stehen, Thor-Steinar eben. Was schon allein der vielen Verweise auf NS-Symbole und Ästhetik wegen unglaubwürdig erscheint, wird es erst recht wenn man sich mit dem Kopf der Firma "Mediatex" beschäftigt. Axel Kopelke ist politisch in rechtsextremistischen Kreisen aktiv, er nahm an Sonnenwendfeiern teil, an einem Liederabend mit dem Nazi-"Sänger" Frank Rennicke und diversen NPD-Veranstaltungen.

Happy end
Vor ca. zwei Monaten, nahm sich ein deutsches Gericht des Falls Thor Steinar vor.
Die Staatsanwaltschaft erkannte in den Runen "strafrechtlich relevante Zeichen" nach §86a, also "Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen", dazu gehört das Hakenkreuz, die Sig-Rune (die von der Waffen-SS genutzt wurde) und eben die Wolfsangel, die Strafe kann dabei über Geldbußen bis zu 3 Jahren Gefängnis reichen. Im September entschied das Amtsgericht Prenzlau, dass die Trägerin eines Thor Steinar-Pullovers 300€ Bußgeld zu zahlen hat. Aber nicht nur das, erstmalig in der bundesdeutschen Geschichte, wurde angeordnet die Druckvorrichtungen ("wie "Platten, Formen, Drucksätze, Druckstöcke, Negative oder Matritzen ") mit denen das Logo gedruckt wird unbrauchbar zu machen. Soweit wollte allerdings die Brandenburger Staatsanwaltschaft noch nicht gehen, man warte noch den Einspruch der Verklagten und eine höhergerichtliche Entscheidung ab, bevor man für vorschnelle Handlungen eventuell Entschädigung zahlen müsse. Nichts desto trotz, wurden und werden Razzien in Läden durchgeführt, die Thor-Steinar im Sortiment haben, die Sachen werden beschlagnahmt und nach §86a vors Gericht gebracht. Auch die Polizei ist angehalten entsprechend zu handeln.
Mittlerweile hat die Firma Mediatex angekündigt ihr Logo vom Markt zu nehmen, aber ein neues sei in Entwicklung, so der Firmenanwalt. In diesem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass beim nächsten Mal weniger als 2 Jahre vergehen, bis derartige Schritte gegangen werden.

[1] So gab sich einer der führenden Aktivisten der deutschen Kameradschaftsszene selbst den Beinamen "Steiner", er legt viel Wert darauf, Thomas "Steiner" Wulff genannt zu werden und fährt zu dessen Ehren auch gerne mal mit gepanzerten Wehrmachtsfahrzeugen durch Deutschland.
[2] Die gesamte germanische oder nordische Mythologie ist durchzogen von blutrünstigen Schauermärchen, Gewaltakten, Kampfbeschreibungen und im Grossen und Ganzen eine einzige Aneinanderreihung von Geschichten die vermitteln, dass nur wer mächtig und stark ist, es schaffen kann im Leben. Kein Wunder also, dass Nazis auf so etwas stehen.